Arno Luik – Verdammte Mitte

09. Januar 2013  Wirtschaft & Soziales

Mittelschicht – Bildquelle: Google

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Sie waren keine Träumer, sie wollten nicht das Paradies auf Erden, nicht die klassenlose Gesellschaft, aber was immer sie auch politisch trennte, die 61 Väter und vier Mütter des Grundgesetzes wollten 1949 eine soziale Republik. Sie wollten keine Republik mit obszönem Reichtum „oben“ und elendiger Armut „unten“, sie wollten ganz gewiss nicht so ein Land, wie es sich im Entwurf des Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung präsentiert: in dem das oberste Hundertstel der Haushalte 25 Prozent des gesamten Volksvermögens besitzt, in dem die obersten zehn Prozent über mehr als 53 Prozent des Nettovermögens verfügen – aber die Hälfte der Bürger gerade einmal ein einziges Prozent des Gesamtbesitzes ihr Eigen nennen kann. Nein, solch ein Land wollten sie nicht, nicht so zerrissen, nicht so gespalten.

Sie benutzten damals Wörter, die heute kaum ein Sozialdemokrat, kein Christdemokrat, von den Grünen und FDP-Politikern ganz zu schweigen, also kein Politiker jedenfalls, der in seiner Partei Karriere machen möchte, noch zu benutzen wagt: Gemeinwohl. Wohlfahrtsstaat. Sozialstaat. Wohlstand für alle – jahrzehntelang war das das Staatsziel aller Parteien, ein Leitbild nicht nur für Sonntagsreden, es war keine Phrase, sondern Anleitung für politisches Handeln, für die Gestaltung der sozialen Wirklichkeit.

Anmerkung unseres Lesers M.W.: Ein guter Artikel für das Wahljahr 2013, den jeder Wähler vor seiner Wahlentscheidung nochmals durchlesen sollte. Warum nur wählen so viele Millionen von Bürgern die Parteien, die nichts oder kaum etwas für Ihre Wähler tun und statt dessen die Interessen von Großunternehmen, Banken und Lobbyisten bedienen? Luik räumt mit vielen Vorurteilen auf, zeigt die Versäumnisse der Mittelschicht auf und erinnert auch die Wohlhabenen wieder an einen wesentlichen Satz des GG von 1949: “Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll dem Wohle der Allgemeinheit dienen.”


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