Google und Facebook – gefährliche Datenkraken oder Blender? Ein Selbstversuch

10. Juli 2013  Allgemein

nds_logo_neuQuelle: NachDenkSeiten

Mittlerweile dürfte es sich bereits bis zum arglosesten Internetnutzer herumgesprochen haben, dass die Dienste der beiden Internetgiganten Google und Facebook im großen Maßstab Nutzerdaten speichern und zu einem Profil zusammenfügen, das von ihnen vor allem zu Werbezwecken genutzt wird. Welche Daten dieses Profil erhält, lässt sich über die gut versteckte Selbstauskunftsfunktion dieser Dienste in Erfahrung bringen. Das Ergebnis lädt dabei zunächst zum Schmunzeln ein. Erst beim zweiten Blick offenbart sich die Gefahr der gesammelten Daten – vor allem dann, wenn Geheimdienste Zugriff auf die Daten haben. Von Jens Berger.

Es gibt eine goldene Regel für Internetdienstleistungen, die leider nur wenigen Nutzern wirklich bekannt ist: Kostet ein Dienst nichts, dann bist Du die Ware. Der Umkehrschluss ist hierbei übrigens leider nicht gestattet, auch kommerzielle Dienste handeln oft mit den Daten ihrer Nutzer. Facebook generiert pro Jahr Werbeeinnahmen in Höhe von fast sechs Milliarden US$, womit statistisch durch jeden Nutzer rund fünf US$ Werbeeinnahmen generiert werden. Google nimmt rund 50 Mrd. US$ pro Jahr durch die Vermarktung von Werbeflächen ein.

Das Pfund, mit dem Google und Facebook am hart umkämpften Werbemarkt wuchern können, ist die Möglichkeit, personalisierte Werbung zu vermarkten. Was nutzt es einem Anbieter von Seniorenreisen, wenn seine Werbung Teenagern gezeigt wird und was sollen reifere Surfer mit Werbung für Klingeltöne anfangen? Google und Facebook gehen jedoch noch weiter und versprechen ihren Werbekunden, dass deren Werbung nicht nur zielgruppengerecht, sondern auch interessenspezifisch eingeblendet wird. Wer sich im Netz beispielsweise häufig über Norwegen informiert, ist natürlich genau der richtige Werbekunde für Anzeigen für Direktflüge nach Oslo oder Ferienhäuser am Sognefjord. Wie gut diese interessenspezifische Werbung funktioniert, sieht man auf der Suchmaschine von Google, bei der bezahlte Anzeigen recht präzise zu den verwendeten Suchbegriffen eingeblendet werden.

Wie Google aus ihnen ein Profil macht

Google ist jedoch viel mehr als eine Suchmaschine. Der Konzern ist auch der weltweit größte Anbieter von Werbeflächen, die auf herkömmlichen Internetseiten angezeigt werden. Hier funktioniert die kontextbasierte Werbung nur unzureichend. Um die Interessen der Nutzer zu identifizieren, nutzt Google dabei sogenannte Cookies, die entweder zu anonymen oder (für eingeloggte Google-Nutzer) zu personalisierten Profilen zusammengesetzt werden. Je nachdem, was sie über Google suchen oder welche Seiten sie im Netz besuchen, bei denen Google das Surfverhalten der Leser auswertet (Tracking), versucht Google ein Profil über sie und ihre Interessen zusammenzustellen. Wenn Google beispielsweise der Überzeugung ist, dass sie ein Mann in den besten Jahren sind, der einen soliden finanziellen Hintergrund hat und „konsumorientiert“ ist, kann es durchaus sein, dass sie beim Besuch verschiedener Seiten häufiger Werbeanzeigen für Luxusuhren angezeigt bekommen, während sie von Werbung für Damenhygieneprodukte eigentlich verschont sein sollten. Für diese Dienstleistung zahlen die Werbekunden übrigens einen fürstlichen Aufschlag, da der sogenannte Streuverlust eines der größten Probleme im Marketing ist.

Doch hier stellt sich die Frage, ob die Profilbildung von Google und Co. überhaupt funktioniert. Aufgrund der Datenschutzbestimmungen können sie übrigens selbst testen, wie ihr Werbeprofil bei Google aussieht. Über diesen Link erhalten Sie Zugriff auf den sogenannten Anzeigeeinstellungsmanager von Google, der ihnen – je nachdem, welche Google-Dienste Sie nutzen – zahlreiche Informationen über sie selbst und ihre Interessen ausspuckt.

Ein Selbstversuch

Mein Selbstversuch ergibt dabei folgendes Profil, das sich lt. Google immerhin auf über 30.000 Datensätze stützt:

Geschlecht: Männlich
Alter: 55-64
Interessen (u.a.): Bankwesen, Essen und Trinken, Haarpflege, Hygiene- und Toilettenartikel, Ostasiatische Musik, Rap und Hip-Hop, Spielzeug

Dieses Ergebnis überraschte mich dann doch. Ich bin zwar männlich, aber rund zwanzig Jahre jünger als von Google errechnet. Es ist vollkommen korrekt, dass ich mich (rein beruflich) sehr für das Bankwesen und (rein privat) auch für Essen und Trinken interessiere. Haarpflege und Hygiene- und Toilettenartikel zählen jedoch ganz sicher nicht zu meinen Interessengebieten und ich schließe zudem aus, dass ich je in nennenswertem Umfang Suchbegriffe oder Artikel dieser Interessengebiete verwendet bzw. gelesen habe[*]. Dass ich mich für ostasiatische Musik, Rap und Hip-Hop und Spielzeug interessieren soll, finde ich auch sehr amüsant – auch diese Punkte sind an den Haaren herbeigezogen und lassen sich mit Sicherheit nicht durch mein Surfverhalten herauslesen. Andere Dinge, die mich persönlich interessieren und über die ich mich auch im Internet gerne informiere, fehlen in der Liste komplett.

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