Google und Facebook – gefährliche Datenkraken oder Blender? Ein Selbstversuch

10. Juli 2013  Allgemein

Ähnlich sieht es bei Facebook aus. Auch hier beinhalten die personalisierten „Ads Topics“, an die man nur herankommt, wenn man sein komplettes Profil als Zip-Datei herunterlädt[**], einige zutreffende Punkte (z.B. Journalismus, Mindestlohn, Ökonomie und Solidarität) und jede Menge Ungereimtheiten – so soll ich mich beispielsweise für Bergbautechniken (shaft mining), eine bestimmte Schmetterlingsart (Colias croceus) und den ausgestorbenen Dodo interessieren, was mir alles komplett neu ist.

Interessanter und aus Datenschutzsicht gefährlicher ist, dass sich bei Facebook offenbar lokale Interessen ins Profil mogeln, die sich einzig und allein aufgrund der vom Smartphone abgefangenen GPS-Daten ergeben. Warum sonst sollte ich mich sonst auch für „Köln“, „Düsseldorf-Hafen“ und „Dänemark“ interessieren? Ich habe anscheinend über mein Smartphone von diesen Orten aus auf die Dienste von Facebook zugegriffen. Das heißt jedoch auch, dass Facebook meine GPS-Koordinaten speichert, was eigentlich ein Unding ist. Dass diese Technik jedoch nicht ausgereift ist, zeigt der Eintrag „Cârța (Sibiu)“ in meinen „Ads Topics“. Ich kann ausschließen, dass ich oder mein Smartphone sich je in diesem 900-Seelen-Dorf in Siebenbürgen befanden und dass die Gemeinde ein großer Anzeigenkunde von Facebook ist, darf wohl auch bezweifelt werden.

Was sagen mir diese Ergebnisse? Vor allem eins: Google und Facebook sind Blender, die Werbekunden personalisierte Anzeigen für teures Geld verkaufen und dabei eine Zielgruppenorientierung vorgaukeln, die gar nicht vorhanden ist. Ich passe beispielsweise exakt ins Profil eines Anbieters für Tinkturen gegen Haarausfall, da ich ja angeblich rund sechzig Jahre alt bin und mich brennend für Haarpflege und Hygieneartikel interessiere. In Wirklichkeit wäre ich jedoch ein lupenreiner Streuverlust für diese Werbung. Ob das der Anbieter von Haartinkturen auch weiß?

Gefahrenpunkt GPS-Daten

Es wäre jedoch naiv, sich nur über die Unvollkommenheit der Profilanalyse von Google und Facebook lustig zu machen. Denn die Daten, die diese Dienste erheben, können dann sehr gefährlich werden, wenn sie von dritter Stelle mit anderen personenbezogenen Daten kombiniert werden. Und dass dies systematisch geschieht, hat Edward Snowden mit seinen Prism-Enthüllungen ja lückenlos belegt. Es mag noch witzig sein, wenn man grob falsche Werbung angezeigt bekommt. Wenn man bei der Einreise in die USA ins Visier der Geheimdienste gerät (oder einem gar die Einreise verwehrt wird), weil man die Dienste von Facebook öfters auch in Ägypten, Jordanien oder gar Pakistan genutzt hat, ist dies gar nicht mehr witzig. Und wenn die Dienste aus meinen tatsächlich vorhandenen Interessen (Mindestlohn, Ökonomie und Solidarität) nun schließen, ich sei ein potentieller „Links-Terrorist“, ist dies für mich auch alles andere als lustig.

Daher kann man den Nutzern nur raten, die personalisierte Datenspeicherung durch diese Dienste zu verhindern. Dazu hier eine kurze Anleitung:

  • Google

Im Google-Anzeigeeinstellungsmanager klicken sie im untersten Punkt (Deaktivierungsanzeigen bzw. Opt-out settings) auf „Deaktiviern bzw. Opt-out“ und bestätigen diese Auswahl. Dann sollte Google, so behauptet es das Unternehmen zumindest, keine Daten mehr über ihr Surfverhalten erheben und kein Profil mehr über sie erstellen.

  • Facebook

Gehen sie über das „Zahnrad“ rechts oben auf „Konteneinstellungen“ und wählen sie auf der linken Seitenleiste den Punkt „Werbeanzeigen“. Nun kommen sie auf eine Seite, auf der sie bei den Punkten „Webseiten Dritter“ und „Werbeanzeigen & Freunde“ jeweils die Option „Niemand“ wählen sollten. Desweitern sollten sie die Einstellungen unter dem Punkt „Privatsphäre“ nach ihren eigenen Vorstellungen vornehmen.

  • Cookies blockieren

Unerwünschte Cookies blockieren sie am besten mit einem dafür vorgesehenen Plugin für ihren Browser. Gute Ergebnisse erzielt beispielsweise das Plugin „Edit this Cookie“ für Google-Chrome oder der „Cookies-Manager+“ für Firefox.

  • Tracker und Scripts blockieren

Für diese Aufgaben ist ebenfalls ein Plugin für ihren Browser zu empfehlen. Das Plugin „Ghostery“ ist empfehlenswert und für alle modernen Browser verfügbar.

  • Datensparsamkeit

Gehen sie generell mit Daten sparsam um und geben sie so wenig wie möglich von sich preis. Was die Dienste nicht finden, können sie auch nicht wissen.

  • GPS

Deaktivieren sie bei Bedarf die GPS-Funktion ihres Smartphones oder verbieten sie bestimmten Programmen den Zugriff auf die GPS-Daten. Beim iPhone können sie einzelnen Programmen (Apps) verbieten auf die GPS-Daten zuzugreifen, wenn sie die nötigen Einstellungen unter „Einstellungen -> Datenschutz -> Ortungsdienste“ vornehmen.


[«*] Da meine Lebensgefährtin ihren eigenen Rechner hat, ist es auch auszuschließen, dass ihre Interessen sich hier mit den meinen vermengt haben.

[«**] Dafür klicken sie rechts oben auf das „Zahnrad“ und wählen den Punkt „Kontoeinstellungen“ aus. Auf der nun erscheinenden Seite sehen sie ganz unten im zarten grau den Punkt „Lade eine Kopie deiner Facebook-Daten herunter“. Nach Bestätigung via Email erhalten sie dann nach einigen Minuten einen Link auf eine Zip-Datei, die ihre gesamten Daten enthält. Wenn sie die Datei entpacken und die entpackte Datei index.html aufrufen sehen sie in der linken Seitenleiste die Rubrik „Ads“, wo sie die gesuchten Informationen finden.


Hauptadresse: http://www.nachdenkseiten.de/

Artikel-Adresse: http://www.nachdenkseiten.de/?p=17911

Bildquelle: Klick auf das Bild oder  siehe Link.

Seiten: 1 2


Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*