Umstieg 21 statt Stuttgart 21: der Ausstieg ist möglich

15. Oktober 2016  Positionen, Presse, Stuttgart 21

Umstieg 21 statt Stuttgart 21: der Ausstieg ist möglich

https://youtu.be/rSzt2IrvnQg  

https://youtu.be/1nhrwo5j-KQ

 

 

Klaus Gebhard, Diplom Ingenieur und bekannt als Parkschützer erläuterte am Donnerstag, den 06. Oktober im alten Esslinger Rathaus, die Möglichkeiten, aus der ungeliebten Dauerbaustelle Stuttgart 21 jetzt noch auszusteigen.

Mit seinem Bildvortrag stellte er die vielfältigen Möglichkeiten vor, die bisher erfolgten Baumaßnahmen sinnvoll zu nutzen.

Gebhard weißt auf die immensen Kosten von Stuttgart 21 hin. Laut Rechnungshof liegen die geschätzten Kosten jetzt schon bei 10 Milliarden Euro, wobei die Finanzierung nicht gesichert ist. Das kann die Bauarbeiten weiter erheblich verzögern und damit verteuern. Stuttgart 21 bindet auf Jahre hinaus alle Gelder, so dass für Verbesserungen im Nahverkehr nichts mehr übrig bleibt.

Gebhards Modell würde 1,9 Milliarden Euro Ausstiegskosten verursachen und dazu 2 Milliarden Kosten für die alternativen Bauvorhaben. Ein Umstieg spart jetzt schon 6 Milliarden Euro ein. Diese Mittel könnten dann für noch mehr sinnvolle und nötige Bahnprojekte in ganz Deutschland eingesetzt werden. Baurisiken, wie die Beeinträchtigung des Mineralwassers oder der Bau durch den Gipskeuper südlich von Degerloch, wären kein Thema mehr. Gipskeuper quillt bei Berührung mit Wasser auf und hat schon manche Städte zerrissen, wie zum Beispiel Staufen, das sich nach 6 Jahren immer noch hebt.

Kernstück seines Vortrags bilden die Umnutzung der Baugruben und die Verbesserung des Schienennetzes um Stuttgart, bei Nutzung der schon erstellten Strecken.

So bietet die Baugrube am Hauptbahnhof locker Platz für ein Parkhaus, einen Busbahnhof und einen wiederaufgebauten, oberirdischen und hellen Hauptbahnhof mitsamt seinen beiden Seitenflügeln. Damit bliebe auch die alte Leistungsfähigkeit des Hauptbahnhofs erhalten, die weit über dem geplanten 8-gleisigen neuen Bahnhof liegt.

Gephard plädiert weiter für einen Ringschluss der S-Bahnstrecke ab Bernhausen bis hinunter nach Wendlingen, für einen 2-gleisigen Ausbau nach Zuffenhausen und nach Cannstatt und für einen Ausbau der Gäubahnstrecke über Herrenberg weiter bis ins Neckartal.

Er rechnet vor, dass von diesen Verbesserungen des Schienennetzes, an die 500 000 Einwohner der Gemeinden entlang der Strecke profitieren würden. Er nennt dies, „die vergessene Großstadt“.

Selbst für den Wunsch nach mehr Wohnungsbau in Stuttgart hat er eine Lösung. Das Gelände von Stuttgart 21 zu bebauen würde das Innenstadtklima in Stuttgart noch weiter aufheizen. Statt dessen schlägt Gephard eine klimaneutrale Bebauung just auf dem Gelände vor, dass bislang auf Jahre hinaus von der Baulogistik für Stuttgart 21 belegt ist.

Gebhard ist auch kein Freund der Schnellbahntrasse zwischen Wendlingen und Ulm. Eins regt den Schwaben Gebhard dabei besonders auf: Die neue Trasse hat trotz weiter Tunnelstrecken einen höheren Scheitelpunkt als die alte Trasse entlang der Geislinger Steige. „ Wo bleibt da die schwäbische Ingenieurskunst. Einen Tunnel baut man doch um eine Steigung auszugleichen! Wir machen uns überall lächerlich, wenn wir so einen Scheiß bauen.“ Zudem verläuft die Trasse weitgehend an unbebautem Gebiet. Einzig Merklingen mit seinen 28 Tausend Einwohnern ist als Haltepunkt vorgesehen. Der Nahverkehr profitiert von Stuttgart 21 und der Schnellbahntrasse überhaupt nicht. Nicht mal der Güterverkehr kann die Trasse nutzen, weil sie dafür zu steil ist, mal ganz abgesehen von dem sehr hohen Energieverbrauch den die Züge für die Überwindung dieser Steigung bräuchten.
Ute Dahner


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